Die St. Laurentius-Schützengilde Marmagen reisst das alte Schützenhaus ab und baut auf dessen Fundamenten ein neues, größeres Haus
Auf alter Wurzel neue Kraft

Aus alter Wurzel neue Kraft: Diesen Leitspruch schrieben sich in der Vergangenheit einige Bruderschaften im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V. (BHDS) im wahrsten Sinn des Wortes auf die Fahne. Kam das Vereinsleben zum Erliegen und wurde eines Tages wiederbelebt, verdeutlichte dieser Spruch in symbolischer Form, dass der neue Verein sich auf alte Traditionen beruft.

Auf Altbewährtem baut nun auch die St. Laurentius-Schützengilde Marmagen, die größte der acht Bruderschaften im Bezirksverband Schleiden, ihr neues Schützenhaus auf. Aber fangen wir erstmal vorne an.

Die Marmagener Bruderschaft ist aus dem im Jahre 1905 gegründeten Kriegerverein hervorgegangen, der nach Kriegsende 1918 verboten wurde. Da kirchliche Vereine erlaubt waren, gründete man 1919 als Rechtsnachfolger die Schützengilde. Unter dem seinerzeitigen Vorsitzenden Hubert Poth wurde 1958 das Schützenhaus mit einem KK-Scheibenstand erbaut. Das Haus wurde in abschüssiger Lage errichtet und der Eingang war nur über eine Treppe erreichbar. Da dieser Zugang somit nicht barrierefrei und auch nicht mehr zeitgemäß war, wurde ein neuer Zuweg geplant. Gleichzeitig fassten die Schützen eine Erneuerung der in die Jahre gekommenen Toilettenanlage und eine Renovierung des Schützenhauses ins Auge. Bei eingehender Untersuchung der Bausubstanz wurde allerdings schnell klar, dass hier ein Eimer Farbe nicht ausreicht, sondern nur ein Abriss des alten Gebäudes und ein Neubau auf den alten Fundamenten das Problem lösen konnte.

Etwas abgewandelt also: Auf alter Wurzel neue Kraft.

Aber bevor es an den Abriss geht, hier noch einmal ein Blick ins alte Schützenhaus: Rechts beim Bezirkskönigs-schießen 2012 und unten der Luftgewehrschießstand über den Toiletten beim Bezirksprinzenschießen 2015
Die Marmagener Schützen sind für ihre Tatkraft bekannt und diesem Ruf machten sie fortan erneut alle Ehre. Die Finanzierung erfolgt durch Fördermittel und Eigenleistung. Aufgrund des Verbotes der Großveranstaltungen wegen Corona konnten die Arbeiten bereits im Mai beginnen und nicht erst, wie ursprünglich geplant, nach dem Schützenfest im Juli. Nach der Bewilligung der Baupläne wurde als Erstes die alte Treppe sowie das gesamte Schützenhaus mit den Toilettenanlagen, dem Vordach und dem Luftgewehrstand abgerissen, was sowohl logistisch als auch zeitlich eine erste Herausforderung darstellte. Lediglich der Kleinkaliberstand im Außenbereich blieb erhalten.
Hangseits wurde das bestehende Fundament verlängert und eine weitere Stützmauer errichtet, um darauf die Bodenplatte für die größeren Toilettenräume zu betonieren. Der Beton wurde jeweils von Hand gemischt und für das Fundament der neuen Stützmauer über eine Rutsche nach unten befördert
Das neue Schützenhaus verfügt nach Fertigstellung über einen 100 m² großen Gastraum mit angrenzender Theke, einer geräumigen Küche mit einem Kühlraum, dahinter ein Vorsorgungs- und Lagerraum sowie die Toilettenanlage.
Am Haupteingang wird neben einer neuen Treppe ein barrierefreier Zugang gebaut und über den hinteren Eingang können ebenerdig Waren ins Schützenhaus gebracht werden. Als Abschluss der umfangreichen Bauarbeiten wird ein neuer Luftgewehrstand neben dem KK-Stand errichtet und der Vorplatz am Haus gepflastert und überdacht. Das Gebäude soll künftig nicht nur den Schützen als neues Vereinsheim dienen, es kann dann auch für Veranstaltungen gemietet werden.

Die etwa fünfzehnköpfige Arbeitermannschaft um den Vorsitzenden Volker Heinen stellt sich der Herausforderung mit großem Tatendrang und arbeitet jedes Wochenende an der Verwirklichung ihres Planes. Und um die Handwerker bei Laune zu halten, werden sie von ihren Frauen regelmäßig mit Mittagessen und Kuchen versorgt. Sie überlegen schon, ob sie die Arbeiten bei diesem Verwöhnprogramm nicht etwas in die Länge ziehen sollen.